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Kostenloser Usability-Test
“Auf der Internet World Fachmesse am 21. Und 22. Oktober können Webseitenbetreiber ihre Webseiten live von Experten auf Benutzerfreundlichkeit und Suchmaschinentauglichkeit testen lassen”
Das schreibt die “Zeitschrift zur Messe” auf internetworld.de. Schöne Sache, kommen die Teilnehmer und die Webseitenbetreiber dadurch auf den Geschmack von Usability-Test und Eyetracking. Aber Vorsicht: was nix kostet … naja, Sie wissen schon.
Tatsächlich ist Usability-Testing auf Messen eine praktische Sache, denn es vereinfacht die Probandenrekrutierung. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn man eine spezielle Zielgruppe hat, die man so geballt nirgend wo anders antrifft und schon gar nicht einfach in ein Usability-Labor bekommt. Die inzwischen recht leichte und mobile Eye-Tracking Ausrüstung macht’s möglich. Beispielsweise führte ich selbst Anfang des Jahres einen Usability-Test mit Eye-Tracking für den Herdt Verlag für Bildungsmedien auf der Messe Learntec in Karlsruhe durch. Ein “Bildungs-Verlag” mit Zielgruppe Geschäftskunden auf einer Bildungsmesse - das passt.
Problematisch wird’s mit der Interpretation der Ergebnisse, wenn die Zielgruppe nicht passt - etwa wenn ein Angebot für Silver-Surfer auf einer Internet-Fachmesse von Fachbesuchern getestet wird. Die Wahrnehmung der “falschen” Zielgruppe ist schlicht anders und das Testergebnis somit falsch. Immer wieder haben wir bei unseren Eye-Tracking Tests festgestellt, dass es signifikante Wahrnehmungsunterschiede zwischen verschiedenen Probandengruppen gibt. So haben wir bei einem Intranet-Test Mitarbeiter und Externe Probanden testen lassen. Die Heatmaps der Eye-Tracking Auswertung zeigen deutlich die unterschiedlichen Wahrnehmungsschwerpunkte und lassen sich inhaltlich vortrefflich interpretieren. Gleiches war das Ergebnis bei der Gegenüberstellung von “Profi-Usern” und “Gelegenheitsnutzern” bei einem Shop-Test.
Fazit: ich werde nicht müde zu betonen, dass die Qualität eines Usability- oder Eye-Tracking Testes auch maßgeblich von der Probandenrekrutierung abhängt (vgl. auch Blogbeitrag: “Entmystifizierung von Eye-Tracking“). Dennoch ist das Messeangebot eine gute Sache, um für die Thematik zu sensibilisieren. Zu viele Unternehmen scheuen sich vor solchen Tests mit dem Argument “die Seite wurde schliesslich von Profis umgesetzt, die wissen worauf man achten muss”. Stimmt - und wieviele Autos werden von Profis entwickelt und auf den Markt gebracht, ohne dass vorher eine Testfahrt unter realistischen Bedingungen gemacht wurde?
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