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Mit gutem Journalismus schlechtes Geld verdienen
Die Medienkrise scheint der Finanzkrise und der Autokrise in nichts nachzustehen. Seit die Anzeigenmärkte einbrechen (und das tun sie schon seit längerem) und sich nun die Konjunkturaussichten eintrüben, gehen auch die Verlage auf Sparkurs. Das Internet wird zwar nicht als alleiniger Bösewicht identifiziert, hat aber sicher eine Teilschuld. Wer ein Auto kaufen will oder einen Job sucht, ist in der Regel mit einschlägigen Online-Portalen besser bedient als mit einer Samstagsausgabe einer Tageszeitung. Komfortable Filterfunktionen und eine Umkreissuche führen schneller und übersichtlicher zu den persönlich relevanten Ergebnissen. Und wenn jetzt noch weniger Menschen Autos kaufen und Mitarbeiter entlassen, statt eingestellt werden, dann wird die Refinanzierung jounalistischer Angebote natürlich noch schwieriger. Ein Beitrag der Sendung ZAPP des NDR fasst die momentane Situation zusammen.
Die wesentlichen Streitpunkte bewegen sich im Spannungsfeld von “qualitativem Journalismus” und “Wirtschaftlichkeit”. Immer wieder wird betont, dass die aufwändige und zeitintensive journalistische Recherchearbeit, die besagte Qualität liefert, unter dem wirtschaftlichen Druck leidet. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Beitrag der aktuellen Media Perspektiven. In der Studie, wurden 235 Journalisten je einen Tag begleitet und deren Tätigkeiten und Handlungen erfasst. Ein Ergebnis besteht darin, dass 3:35 h pro Tag recherchiert wird und die Themenfindung dabei mit den größten Anteil einnimmt. Die Überprüfungsrecherche, die Quellencheck und Faktenkontrolle beinhaltet, wird in gerade einmal 11 Minuten am Tag erledigt.
Besteht die journalistische Qualität also vor allem darin, dass Journalisten den Lesern die Themen auswählen? Wohl kaum. Das wird zunehmend von Web 2.0 Funktionen übernommen. Die Tagclouds liefern, was die User lesen wollen und Filter blenden aus, was nicht interessiert. Somit haben Medien zur wirtschaftlichen auch eine technologische Herausforderung. “Verlage auf Innovationskurs” heisst die Veranstaltung, die ich mir heute Abend antun werde - ich bin gespannt.
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