Ein wahrlich unmoralisches Angebot

10.000 Euro für ein Bad in Gülle. Das bekommt Tobias Leinweber aus Aalen von Radio 7. Die Hörer haben abgestimmt. Wer hätte gedacht, dass der Titel der Aktion “Scheiters unmoralisches Angebot” so treffend ist. Denn die Moral geht hier in der Tat baden.

Nachdem Marcel Reich-Ranicki einen Verfall der Qualität im Fehrnsehen beklagt hat, versuchen die Radiosender diesem Niveau wohl nachzueifern. Freilich kann man sich als Sender auf die Position zurückziehen, dass es schließlich die Hörer sind, die sich die Ideen ausgedacht haben und rund 40% in einer Umfrage für das Güllebad gestimmt haben. Richtig. Die Frage ist doch aber: warum machen Sender so etwas? Doch wohl wegen der Quote und den Einnahmen. Bald jeden Monat wird ein anderes, noch ausgefalleneres Gewinnspiel mit 013-irgendwas Nummern für 50 Cent die Minute angepriesen. Dabei dürfte grob überschlagen regelmäßig ein Vielfaches des ausgelobten Preises am Sender hängen bleiben.

Auch das ist noch nicht zwingend unmoralisch - drum ist es ja ein kommerzieller Privatsender. Mich stört nur, dass in einigen Monaten, wenn die Tage wieder kürzer und die Menschen besinnlicher werden, sich der selbe Sender wieder ach so moralisch gibt und um Spenden für bedürftige Kinder bittet. Wie wäre es denn mal mit einem moralischen Angebot: 10.000 Euro von Radio 7 (nicht von den Hörern via 50 Cent-Nummer) für eine gute und tolle Sache, die auch einen erkennbaren Nutzen für andere hat.


Posted by Prof. Dr. Walter on Apr 08 2009 under Journalismus, PR, TV



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